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DENKANSTÖßE

ZITATE VON PROF. HANS-JOACHIM ECKSTEIN

(Professor Dr. Hans-Joachim Eckstein (60) ist seit 2001 Professor für Neues Testament an der Evangelisch-theologischen Falkultät der Universität Tübingen. Er war der Referent bei der Landeskonferenz des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes am 09. 05. 2010 in der Stadthalle Zwickau.)


"Wo wir herkommen, sind wir gewollt, wo wir hingehen, werden wir erwartet", mit diesen Worten beschreibt der Theologie-Professor Hans-Joachim Eckstein in einem Interview den Grund für seine Zuversicht.

Licht der Welt sollen wir sein, indem wir Christus als das Licht des Lebens in uns und durch uns scheinen lassen.

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben - aber den Herrn.

Mögen wir uns auch tausend Schritte von Gott weg entfernt haben, so bedarf es dank der Liebe Gottes nicht mehr als eines einzigen Schrittes, um zu ihm zurückzukehren.

Nicht nur glaubwürdig reden, sondern handeln, nicht nur handeln, sondern sein!

Nichts ist für unser Leben so folgenreich wie die Erfahrung einer voraussetzungslosen Liebe.

Nur das persönlich erkannte Wissen ist Erkenntnis, und erst die gelebte und durch Erfahrung bewährte Erkenntnis ist Weisheit.

Der Splitter im Auge des anderen ist meistens aus dem gleichen Holz wie der Balken im eigenen; deshalb sehen wir ihn auch so gut!

Dich möchte ich erkennen und annehmen als das, was du wirklich bist - mein Herr und mein Gott. Und gerade darin nehme ich mich selbst an und werde, was ich bin - dein Mensch.

Die Stärke des Glaubens erweist sich in der Fähigkeit, mit der Schwachheit anderer verantwortlich und liebevoll umzugehen.

Die Zusage der Liebe Gottes ist nicht zu schön, um wahr zu sein, sondern sie ist zu wahr, um nicht als schön erkannt zu werden.

Du bist mir, Herr, nicht nur neunundneunzig Schritte entgegengekommen, so dass jetzt alles an meinem einen eigenen Schritt läge, sondern du bist alle hundert Schritte auf mich zugekommen. So kann ich nun jeden Schritt, den ich zu gehen habe, mit dir und durch dich gehen.

Du bist, Christus, selbst alles das, was ich brauche, um so zu leben, wie du es von mir erwartest.

Du liebst uns nicht, weil wir wertvoll sind, sondern wir erkennen uns als wertvoll, weil du uns liebst.

Du sagst, du hältst dich selbst für eine Flasche. Du seiest ein für Gott unbrauchbarer und zum Leben ungeschickter Mensch. Das ist nun freilich noch kein Grund, gleich zu verzweifeln. Denn auch die gewöhnlichste Flasche kann durch einen kostbaren Inhalt ausgesprochen wertvoll werden. Wenn Gott selbst durch seinen Geist in dir wohnt und das in dir bewirkt, was du an sich nicht sein kannst, dann bist du durch ihn - Flasche hin oder her- ein unendlich wertvoller Mensch.

Ein Glaube ohne Hoffnung ist wie Regen ohne Wasser. Ein Glaube ohne Liebe ist wie eine Sonne ohne Schein.

Eine Hoffnung, die unsere Gegenwart nicht tief greifend verändert, ist noch nicht wirklich aus der Zukunft bei uns angekommen. Denn da, wo Hoffnung einkehrt, verwandelt sie die Gegenwart.

Erkennen wir, dass Gottes Herz für uns Menschen schlägt, dann sind wir befreit davon, ständig unseren eigenen Puls zu fühlen.

Es gehört zum Wesen der Liebe, dass sie sich als selbstverständlich empfindet. Sie rühmt sich dessen, den sie liebt, aber nicht ihrer selbst.

Es gibt nur einen, von dem man uneingeschränkt sagen kann, dass er ein guter Christ ist - Jesus Christus selbst. Wir anderen sind es in dem Maße, wie Christus durch uns leben kann.

Es ist nicht der Mensch, der aus der Kraft seines Glaubens an Gott festhält, sondern es ist Gott, der durch seine Kraft den Menschen beim Glauben hält.

Es kommt nicht auf einen großen Glauben an, sondern auf den Glauben an die Größe Gottes.

Es mag schon sein, dass du ein hoffnungsloser Fall bist, aber wenn wir uns die Menschen der Bibel anschauen, dann sieht es doch so aus, als hätte unser Gott geradezu eine Vorliebe für hoffnungslose Fälle.

Herr, sage du - als die Wahrheit - mir, wie es in Wahrheit mit mir steht, und zeige du - als die Liebe - mir, wie ich mit deiner Wahrheit lebe.

Ich brauche weder etwas Neues noch etwas anderes, als ich schon lange habe; aber das brauche ich, Herr, nämlich dich.

Ich will lernen, mich in Christus zu freuen, auch wenn ich sonst keinen Grund zur Freude sehe, und mich vor allem anderen über Christus zu freuen, wenn ich viel Grund zur Freude habe.

"Geben ist seliger als Nehmen" - doch manchmal auch leichter. Da wir zu stolz sind, uns einfach beschenken zu lassen, tun wir uns mit dem unseligeren Nehmen oft noch schwerer als mit dem ohnehin schon schwierigen Geben.

"Heiligung bedeutet Selbstaufgabe!" - Nein, Heiligung bedeutet Hingabe! Aber was willst du Gott hingeben, wenn du doch meinst, dich zuvor selbst aufgeben zu müssen?

"Nachfolge bedeutet Selbstverleugnung!" - Nein, Nachfolge bedeutet Selbstfindung! Denn wenn ich Christus nachfolge, finde ich bei ihm mein wirkliches und eigentliches Leben.

All unser Tun kann in der geschöpflichen Gelassenheit derer geschehen, die sich nicht selbst erschaffen müssen.

Der Sinn der Vergebung liegt darin, dass wir Gott gegenüber dankbarer, anderen gegenüber barmherziger und uns selbst gegenüber wahrhaftiger werden.

Während wir beten, sollten wir nebenher nichts anderes denken oder tun - aber bei allem, was wir denken, sprechen oder tun, können wir gleichzeitig beten.

Was bedeutet es nun, an Christus zu glauben: Freude oder Traurigkeit, Gewinn oder Verlust, Stärke oder Schwachheit, Frieden oder Kampf, Glücklichsein oder Leiden? Beides - und das erste mitten im zweiten.

Was von uns als an Christus Glaubenden erwartet wird, ist nicht Aktion für Gott, sondern Reaktion auf Gottes Aktion.

Wenn wir liebesbedürftige Menschen mit der Erwartung lieben, dass sie uns zurücklieben, dann enthalten wir ihnen gerade das Wesentliche an der Liebe vor - nämlich die Bedingungslosigkeit.

Wir Christen sind die einzige Bibel, die heute noch von einer breiten Bevölkerungsschicht gelesen wird, aber ich fürchte, wir sind die schlechteste Übersetzung.

Wie finde ich einen Menschen, den Gott gebrauchen kann? - Indem ich in den Spiegel schaue.

GEMEINSCHAFTSBRIEF  08 - 09 / 2010

ZUM TITELBLATT (s. Bild auf Seite "Neuigkeiten")

„Meine Zeit steht in Deinen Händen!“ heißt es in Ps. 31,16 und in einem bekannten Lied.
Meine Zeit – was ist darunter zu verstehen? Wir haben heute ein rundes Zeitverständnis. Das kann man am besten an unseren Uhren verdeutlichen. Unsere Uhren laufen rund. Es geht irgendwie immer weiter. Die Zeit hat keinen Anfangs- und keinen Endpunkt. Ist einmal Mitternacht vorbei, geht es gleich mit 1 Uhr des nächsten Tages weiter. Die Folge von diesem Zeitverständnis ist, dass Zeit eigentlich gar nicht so wichtig erscheint. Man hat ja unendlich viel davon. Es geht doch irgendwie immer weiter.

Etwas anders sieht die Bibel die Zeit. Die Bibel versteht die Zeit wie eine Sanduhr. Am Anfang hat ein Mensch noch ganz viel Zeit, aber unentwegt rinnt sie dahin und irgendwann einmal ist der Zeitpunkt gekommen, da ist sie abgelaufen. Jedes Menschenleben hat einen Anfang und ein Ende. Die Folge des biblischen Verständnisses ist, dass Zeit etwas unendlich Kostbares ist. Zeit ist nach biblischen Maßstäben etwas, das man nur einmal hat, etwas, was nie wieder zurück kommt. Gut und Geld oder Freunde kann man verlieren, man kann aber alles auch wieder gewinnen. Aber die Zeit ist einmalig.

Wenn die Zeit der Knospe, die Kindheit, vorüber ist, dann ist sie vorüber und nicht mehr zu wiederholen. Wenn die Zeit der Blüte, die Jugend, vorbei ist, dann ist sie vorbei und kein Mensch kann sie zurückholen. Wenn die Zeit der Frucht, also das Erwachsenenalter, vorüber ist, dann ist sie verstrichen. Wenn die Zeit der Ernte gekommen ist, das Alter, dann hat auch dieser Lebensabschnitt todsicher seinen Endpunkt.

Wenn man das von dieser endgültigen Sicht her betrachtet, dann kann man ganz schön Angst bekommen. Man fragt sich: Ja, was passiert denn, wenn meine Kindheit völlig daneben ging, was ist los, wenn ich meine Jugend durch Sünden verdorben habe, was passiert, wenn ich in meiner Lebensmitte keine Frucht gebracht habe?

Der Gedanke macht einem Angst, dass man seine Zeit einfach so hat verrinnen lassen, ohne sie auszukaufen, ohne etwas Gutes, Sinnvolles und Befriedigendes, ohne etwas Gottgefälliges daraus zu machen. Da hat man vielleicht Tage, wenn nicht sogar Monate seiner kostbaren, unwiederbringlichen Lebenszeit einfach so mit geistlosen Talkshows und Serien im Fernsehen oder bei anderen sinnlosen Beschäftigungen verplempert. Wie soll ich das einmal vor dem verantworten, der mir meine Zeit gegeben hat?

„Meine Zeit steht in Deinen Händen“, das heißt nun: Auch wenn ich meine Zeit nicht befriedigend, nicht verantwortungsbewusst zu füllen vermochte, dann ist sie dennoch in Gottes Händen. Ich brauche angesichts meiner verplemperten und durch Sünde verdorbene Zeit in meiner Vergangenheit nicht zu verzweifeln. Jesus kann und will das vor Gottes Augen in Ordnung bringen. Dafür ist er am Kreuz gestorben.

„Meine Zeit steht in Deinen Händen“, das gilt auch für die Gegenwart. Ich muss nicht gierig hinter allem herlaufen, was irgendwie Leben und Glück verspricht. Ich brauche nicht dauernd Angst zu haben, irgendetwas zu verpassen. Meine Zeit ist in seiner Hand, ich kann mich ihm in jeder Zeit anvertrauen und er wird das Beste daraus machen. Doch ich sollte mich auch darum bemühen, meine Zeit optimal zu nutzen. Beten und Bibellese gehören in meine Zeitplanung. Und für meine Arbeitszeit - ob in der Firma, in der Schule, im Haushalt, für die Familie, in der Gemeinde oder im Ehrenamt - gilt Kolosser 3, 23: „Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen.“ Erholsame „Aus-Zeiten“ oder Zeit für ein Hobby sind ebenfalls der Wille Gottes für uns.

Und auch meine Zukunft ist in seinen Händen. Manchmal bekommt man ja richtig Angst, wenn man an die Zukunft denkt. Alles wird teurer und unsicherer, die Menschen immer roher, egoistischer und gewalttätiger. Auch da gilt: „Meine Zeit steht in deinen Händen“ – auch meine Zukunft. Ich kann ganz ruhig sein. Gott wird für mich sorgen. Er gibt Geborgenheit.

„Meine Zeit steht in Deinen Händen.“ - Das ist ein großer Trost, denn dadurch ist mein ganzes Leben in seiner Hand geborgen.

(Andreas Scheffler)


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ZEITLOSE OSTERPREDIGT ÜBER 1.KOR 15, 19 - 26  (NGÜ)

(zur Auferstehungsfeier in der LKG Aue am 04. 04. 2010)


19 Wenn die Hoffnung, die Christus uns gegeben hat, nicht über das Leben in der jetzigen Welt hinausreicht, sind wir bedauernswerter als alle anderen Menschen.

20 Doch es verhält sich ja ganz anders: Christus ist von den Toten auferstanden! Er ist der Erste, den Gott auferweckt hat, und seine Auferstehung gibt uns die Gewähr, dass auch die, die im Glauben an ihn gestorben sind, auferstehen werden.

21 Der Tod kam durch einen Menschen in die Welt; entsprechend kommt es nun auch durch einen Menschen zur Auferstehung der Toten.

22 Genauso, wie wir alle sterben müssen, weil wir von Adam abstammen, werden wir alle lebendig gemacht werden, weil wir zu Christus gehören.

23 Aber das geschieht nach der von Gott festgelegten Ordnung. Zuerst ist Christus auferstanden. Als nächstes werden, wenn er wiederkommt, die auferstehen, die zu ihm gehören.

24 Und dann wird Christus die Herrschaft Gott, dem Vater, übergeben – dann, wenn er allen gottfeindlichen Mächten, Kräften und Gewalten ein Ende bereitet hat; dann ist das Ziel erreicht.

25 Denn Christus muss so lange herrschen, bis »Gott ihm alle seine Feinde unter die Füße gelegt hat«.

26 Der letzte Feind ist der Tod, aber auch ihm wird schließlich ein Ende bereitet.


Liebe Schwestern und Brüder, warum feiern wir Ostern?

Die allgemeinen Kenntnisse der Deutschen bewegen sich ungefähr auf diesem Niveau: Ich glaube, da ist irgend so eine Hase geboren. Viel mehr wussten auch die Leute nicht, die einmal für MAISCHBERGER auf der Straße befragt wurden.
„Ach Gott“, sagte einer, „ich bin da schon so lange raus“. Ein anderer musste heftig nachdenken, ob Jesus an Ostern geboren, gestorben oder auferstanden war.
Das Wissen über Ostern ist bei uns auf einem so niedrigen Stand, dass sich vor zwei Jahren sogar die BILD‐Zeitung erbarmt hat und eine Woche lang Stück um Stück die Geschichte von Passion und Ostern erzählt hat: DER JESUS‐KRIMI, direkt neben dem Horoskop.

Ganz anders waren die Kenntnisse von Philipp. Philipp war ein kleiner Junge mit Down Syndrom, der in seiner Klasse immer ein bisschen gehänselt wurde. In der Osterzeit schickte die Lehrerin die Kinder nach draußen. Jedes Kind bekam einen kleinen Behälter, der wie ein Ei geformt war, und die Aufgabe war, draußen irgendetwas zu suchen und in diesen Behälter zu packen, was zu Ostern, zum neuen Leben im Frühling passt.
Die Kinder strömten nach draußen, auch Philipp. Nach einiger Zeit kehrten sie zurück und stellten stolz ihre kleinen Behälter auf den Tisch der Lehrerin. Einen nach dem anderen öffnete sie und zeigte der Klasse, was darinnen war. Es gab Blumen, Blätter, sogar einen Schmetterling. Die Klasse kommentierte alles mit lauten „ahs“ und „ohs“. Da wurde ein kleiner Behälter geöffnet – leer, nichts drin, gar nichts. "Das ist nicht fair", riefen die Kinder, "einer hat seine Aufgabe nicht erfüllt." „Das ist meiner“, rief Philipp. „Oh nein“, stöhnten die anderen, „typisch Philipp, du kannst aber auch nichts richtig machen.“ „Nein“, sagte Philipp, „das stimmt nicht. Ich habe es so gemacht. Es war doch leer. Das Grab war leer.“ Von da an hörten die Kinder auf, Philipp zu ärgern. Ein paar Wochen später wurde er krank. Philipp starb an einer Infektion, die andere Kinder sicher überlebt hätten. Er nicht. Zur Beerdigung kamen alle Kinder der Klasse; statt Blumen brachte jedes einen kleinen eiförmigen Behälter mit – einen leeren kleinen eiförmigen Behälter.
Das war Philipps Osterpredigt. Er hatte es verstanden.

Was ist Ostern?
Das Grab war leer. Der ans Kreuz Genagelte lebt. Jesus ist auferstanden. Darum feiern wir heute.

Freilich möchte Paulus auch uns fragen: Wie steht es mit eurer Osterhoffnung? Was zählt für euch, wenn ihr an Jesus denkt?
Er erzählt den Korinthern die Ostergeschichte mit einem extrem weiten Horizont und gleichzeitig nimmt er uns ins Osterexamen. Er erzählt die Geschichte als ein Drama in drei Akten:

1. Weil Jesus auferstanden ist, hoffen wir auf unser Ostern; sonst wäre alles zwecklos.

2. Weil Jesus auferstanden ist, kommt es zur großen Osterparade.

3. Weil Jesus auferstanden ist, muss Seine Majestät der Tod abdanken.

Alle drei Kapitel dieses Dramas haben also damit zu tun, dass die Auferstehung Jesu mit unserem Tod und unserem Schicksal verbunden wird. Das ist die spezielle Osterbotschaft an Korinth damals und an uns heute.

1. WEIL JESUS AUFERSTANDEN IST, HOFFEN WIR AUF UNSER OSTERN; SONST WÄRE ALLES ZWECKLOS!

Worauf hoffen wir? Und wie weit reicht unsere Hoffnung? Es ist ein großer Unterschied, ob wir auf etwas oder auf jemanden hoffen.
Auf etwas hoffen: Hoffen wir auf einen schönen Frühling? Auf gute Zensuren? Auf eine Gehaltserhöhung? Hoffen wir auf einen Neuanfang in unserer Ehe? Auf ein Kind? Darauf, dass es gut wird mit unserem Nachwuchs? Hoffen wir auf Erfolg, Zuneigung, Sicherheit?

Manchmal geht es in unserer Hoffnung um Leben und Tod: Dann hoffen wir, dass es nicht Krebs ist, nicht Demenz, nicht Parkinson. Das Problem ist, dass es irgendwann irgendetwas davon doch ist. Das Problem ist, dass unsere Hoffnung ganz gewiss irgendwann enttäuscht wird. Dann lassen wir die Hoffnungen schrumpfen: Noch einmal ein Frühjahr erleben, eine Zeit ohne Schmerz, ein Fest in der Familie. Kleine Hoffnung, wenn die großen nicht mehr erfüllt werden. Denn dieses Leben erfüllt unsere großen Hoffnungen immer nur vielleicht, und dann bedingt und stets nur auf Zeit.

Auf jemanden hoffen, der den Tod besiegt hat, sagt Paulus, das ist das Entscheidende. Es ist die Nagelprobe unseres Glaubens. Hoffen wir nur in diesem Leben auf Christus, dann sind wir, so sagt es Paulus drastisch, die elendsten unter allen Menschen.
Wieso das, Paulus? Ist es denn so schlecht, immerhin in diesem Leben auf Christus zu hoffen? Und tun wir das nicht tagtäglich und belagern ihn mit unseren Bitten.
Er möge uns segnen und heilen und stärken und behüten und trösten und erfreuen und gleich unsere Kinder und unsere Ehepartner und unsere Freunde mit dazu. Jetzt und hier – in diesem Leben.
Nun, sagt Paulus, das ist schon in Ordnung. Ihr müsst nur wissen: Dieses Leben erfüllt unsere großen Hoffnungen immer nur vielleicht, und dann bedingt und stets nur auf Zeit. Und ist der Horizont eures Glaubens so klein, dann seid ihr die elendsten unter allen Menschen. Dann wird nämlich das eigentliche Problem nicht gelöst. Und das eigentliche Problem lernen wir kennen, wenn ein kleiner Junge wie Philipp von einer Infektion dahin gerafft wird.

Paulus sagt: Wenn das Problem nicht eine österliche Lösung bekommt, ach, dann lasst es doch lieber. Dann ist alles vergeblich. Wenn es keine Auferstehung gibt, dann ist alles umsonst. Wozu, so wird er sich ein paar Sätze später selbst fragen, wozu tue ich mir dann all das an? Wozu sterbe ich täglich? Jage durch die Welt, rede auf Marktplätzen, mache mich lächerlich für Jesus, investiere alle meine Zeit in die Mission der Gemeinde, kriege dauernd Ärger, mühe mich um Menschen – wozu? Wenn es nichts zu hoffen gibt, ach, dann lasst uns lieber essen und trinken, denn morgen sind wir tot. Denn irgendwann ist es Herzinfarkt, Altersschwäche, Alzheimer. Und dann ist es sowieso vorbei. Wozu also?
Paulus denkt radikal: Wenn es keine Auferstehung gibt, dann ist alles vergeblich. Nun aber, und da setzt sein Widerspruch ein, ist Christus auferstanden von den Toten. Er lebt.
Als Lebender rang Jesus mit dem Tod, als Toter hat er den Tod überwunden. Nur ein Weizenkorn wurde ausgesät und starb – und jetzt ernährt es die ganze Welt. Nur ein kleines Licht war er in der Welt, und das wurde ausgelöscht – und jetzt geht es als helle Sonne über allen Menschen auf.
Das ist Ostern, liebe Geschwister! Das feiern wir heute, Jesus zu Ehren, uns zur Freude. Der Herr ist auferstanden! Er lebt – und wir sollen auch leben.

Wenn er aber auferstanden ist, ist nichts mehr vergeblich. Dann sind wir nicht die elendsten unter allen Menschen. Dann ist nichts umsonst. Dann ist auch alle unsere Mühe im Dienst für Jesus nicht vergeblich. Der Einsatz von Zeit, Kraft und Geld. Der Ärger. Die Mühen. Der Verzicht auf freie Abende und gemütliche Zeiten. Nichts ist vergeblich, wenn er lebt.
Manche Prediger sagen gerne in ihren Predigten: Du solltest Christ werden, dann hören deine Probleme auf. Die Wahrheit ist manchmal jedenfalls umgekehrt: Als ich Christ wurde, schreibt ein Autor, fingen meine Probleme an. Meine Werte änderten sich, ich wurde kritischer mit den Selbstverständlichkeiten unserer Zeit. Ich konnte nicht mehr selbstbezogen weiterleben. Ich war nicht mehr nur für mich da. Ich hörte Gottes Willen und fand es richtig, ihn zu tun. Einfacher wurde es dadurch nicht. Wenn er nicht lebt, ist das alles Unsinn. Aber er lebt, und darum ist nichts vergeblich. Denn dann gehen wir nicht nur auf das Loch in der Erde und die Würmer, auch nicht auf Feuer und Asche zu, sondern auf unser Ostern. Und da sind wir schon beim Akt 2 der Geschichte:

2. WEIL JESUS AUFERSTANDEN IST, KOMMT ES ZUR GROßEN OSTERPARADE

Paulus will eins deutlich machen: Jesus und Ostern ist mehr als das Ostern eines glücklich Entronnenen.
Es geht an Ostern nicht um den privaten Sieg des Mannes aus Nazareth. Den könnten wir ihm gönnen. Wir könnten ihn auch bewundern und verehren. Aber unsere Lage würde um keinen Deut besser. Doch Ostern ist nicht der private Sieg des gekreuzigten Jesus.
Ostern ist ein Sieg, der mich an eine Fernsehshow erinnert, die jedes Jahr einmal kommt: der Domino-Day. Da bauen Studenten riesige Gebilde aus Dominosteinen auf, mit Brücken und Kurven und großen Blumengärten und Sportarenen und, und und, alles aus Dominosteinen. Im vergangenen Jahr waren es 4,8 Millionen. Dann wird der erste Stein angestoßen, und alle fallen der Reihe nach um, nicht chaotisch, sondern ein Stein nach dem anderen. Warum: weil der erste Stein den Anstoß gab. Darum fallen nun auch alle anderen.
Genau so ist es mit Jesus. Er ist, so sagt es Paulus, der Erstling unter den Entschlafenen.

(Ein Pfarrer erzählte, er müsse immer aufpassen, seit er bei einer Beerdigung einmal schwankte, ob er von „unserem Entschlafenen“ oder „unserem Verstorbenen“ reden sollte und schon war aus seinem Mund geschlüpft: Lasst uns nun für unseren Verschlafenen beten.)

Also: Der Erstling unter den Entschlafenen ist Jesus. Der erste Dominostein. Weil er auferstanden ist, kommen wir alle hinterher. Alle, so heißt es, die zu Christus gehören - das ist der zweite Akt im Drama - kommen hinter ihm her. Ostern ist also noch gar nicht zu Ende, es macht nur mal Pause. Ostern ist erst zu Ende, wenn wir in der großen Osterparade hinter Jesus herziehen.

Ich stelle mir das einmal ganz plastisch vor.
Da plaudern Petrus und Paulus munter miteinander,
Mutter Teresa geht da irgendwo, kaum zu sehen, weil sie fast verschwindet in der Schar der Ärmsten der Armen, die erhobenen Hauptes in der großen Parade mitmarschieren,
hinter ihnen die Märtyrer, die sich ihre Geschichten erzählen, die aus Rom und die aus China, aus Nordkorea und aus dem Gulag Stalins,
davor Luther, der Zwingli noch einmal die Abendmahlslehre erklärt, aber das ist jetzt eigentlich nicht mehr wichtig,
Bodelschwingh und Wichern schieben ein paar Rollstühle vor sich her, leer natürlich, nur so aus Nostalgie, denn die Gelähmten machen gerade Anbetungspurzelbäume,
und dann gehen da die vielen namenlosen Christen aus aller Herren Länder und sie erkennen sich sofort, weil sie alle, alle eins verbindet, dass sie zu Jesus gehören, dem Osterkönig.
Johann Sebastian Bach übt mit Mahalia Jackson und Manfred Siebald schon mal das neue Osteroratorium ein.
Pfingstler und Orthodoxe wandern Arm in Arm auf dem Weg entlang und proben schon himmlische Lobpreislieder.
Die arme Witwe (die mit den zwei Pfennigen in der Kollekte) wird von vier frommen Königen den ganzen Weg getragen.
Der kleine Philipp ist auch mit dabei und vielleicht hält er ein kleines leeres Plastik-Ei in der Hand.
Und irgendwo mitten drin, versteht ihr, irgendwo mittendrin wird es uns geben, werden wir auch mitziehen, hinter Jesus her, dem wir jetzt im Leben folgen, ohne ihn zu sehen, und dann werden wir ihm aus dem Tod heraus folgen und werden ihn sehen. Irgendwo wird ein Platz für uns sein.
Und unser Posaunenchor wird auch dabei sein und das Lied spielen, das wir am Schluss hören werden: „O happy day“ – o glücklicher Tag!
Das, ihr Lieben, das ist Ostern!
Der Herr ist auferstanden! Er lebt – und wir sollen auch leben.
Weil der Erstling durch ist, kommen die, die zu ihm gehören, alle, alle hinterher.

Das heißt es: zu Jesus gehören. Und da kommen die Dinge nun zusammen. Es ist keine Bagatelle, davon nichts zu wissen. Es ist nicht einfach ein Zeichen mangelnder Bildung, Ostern für den Geburtstag eines Hasen zu halten. Wenn nichts vergeblich ist, weil er lebt, dann gibt es nichts Wichtigeres, als jetzt anderen Menschen zu erzählen, dass es einen Sieger über den Tod gibt, und dass die Türen und Tore jedermann offen stehen, der sich Jesus anschließt. Denn es hängt einzig und allein an einer einzigen Frage: Zu welcher Familie gehörst du? Zur Adamsfamilie oder zur Jesus-Familie? Zur Beerdigungsgesellschaft Adam & Söhne oder zur österlichen Parade des Auferstandenen?

3. WEIL JESUS AUFERSTANDEN IST, MUSS SEINE MAJESTÄT DER TOD ABDANKEN.

Das ist der letzte Akt im österlichen Drama. Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Erst wenn Seine Majestät der Tod abdankt, erst dann ist Ostern vollendet. Aber das wird das letzte Kapitel sein, der echte Showdown, wie im Kino, wenn am Ende der Held auf den schlimmsten Schurken trifft. Spiel mir das Lied vom Tod, wird es dann zum letzten Mal heißen. Für den Tod – kein Happy End.

Doch noch hat er Macht. Vielleicht gelingt es einem Krebskranken, länger zu leben, als es die Ärzte vorausgesagt haben. Dem Tod ein Schnippchen geschlagen, etwas Land abgekauft. Vielleicht wird er es sogar schaffen, vielleicht aber auch nicht. Wer am Grab eines jungen Menschen stehen, wer weinenden Eltern in die Augen sehen muss, wer sich klar macht, wie viel Zukunft da vernichtet wird, wie bösartig der Tod Menschen auseinander reißt, der weiß, worum es Ostern geht. Der Tod stößt uns in die Verhältnislosigkeit, er beendet jede Beziehung, reißt auseinander und macht kaputt. Er tut in allem das genaue Gegenteil von dem, was Jesus tut. Ostern ist erst am Ende, wenn der Tod am Ende ist. Darum beschönigt Paulus hier auch nichts. Der Tod kommt nicht als Freund Hein und er ist kein Erlöser. Paulus nennt ihn beim Namen: Er ist der Todfeind. Am Ende geht es nur noch um ihn. Aber es ist keine Schlacht mit offenem Ausgang. Es ist ein Showdown, dessen Ende schon in einem kleinen Friedhofsgarten bei einem leeren Grab vor 2000 Jahren beschlossen wurde. Da wurde entschieden, wer siegt.
Der kleine Philipp wusste es: Das Grab ist leer. Der Tod hat sich an Jesus verschluckt. Noch kann er grausam zuschlagen, aber seine Tage sind gezählt, seine Niederlage steht fest. Am Ende ziehen wir mit Jesus in der Parade des Siegers. Das ist Ostern. Der Herr ist auferstanden. Er lebt, und wir sollen auch leben.

Das ist die Wahrheit. Das ist unsere Hoffnung.
Amen.



(Andreas Scheffler)




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